Nordler-Jugend bei der Verbandsmeisterschaft

Vier Kinder unserer Schachabteilung traten bei der Einzelmeisterschaft des Schachverbands Ruhrgebiet in der Altersklasse U12/U12w in Oer-Erkenschwick an: Gina Emmerich, Annika Labuda, Julian Tepper und Joris Minneken. Dieses Turnier diente wie immer zugleich als Qualifikationsrunde für die Landesmeisterschaft, und vorab war eigentlich nur klar, dass Annika die besten Chancen haben würde, sich in der Wettkampfklasse U12w zu qualifizieren.

Annika
Annika Labuda

Aber es kam ein wenig anders als erwartet. Annika erwischte einen ganz guten Start mit 3,5 Punkten aus den ersten fünf Runden. Doch die Pause danach bekam ihr gar nicht gut. Die Niederlage in der sechsten Runde gegen einen nominell stärkeren Spieler kam zwar nicht überraschend, doch in den beiden folgenden Partien brach Annika regelrecht ein, und das gegen Gegner, die sie unter normalen Umständen glatt überspielen würde. So blieb es auch nach acht Runden bei 3,5 Punkten für das Sterkrader Talent – eine fast schon dramatische Schwäche, die wir so von Annika nicht kennen. Zum Glück konnte sie in der letzten Runde noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren und durch einen Sieg wenigstens die 50%-Punktehürde nehmen. Die 4,5 Punkte reichten trotz der durchwachsenen Leistung für die Platzierung als bestes Mädchen in der Abschlusstabelle und damit die Qualifikation für die Landesmeisterschaft in Kranenburg.

Gina
Gina Emmerich

Mit ganz anderen Erwartungen ging Gina Emmerich ins Rennen. Im Vorfeld wäre es utopisch gewesen, von der Qualifikation zu träumen, doch ein Blick auf die Teilnehmerliste des Turniers mit gerade einmal fünf Mädchen ließ erste Hoffnungen aufkeimen. Tatsächlich konnte sich Gina nach drei Runden mit immerhin 2 Punkten als zweitbestes Mädchen platzieren, doch durch das Auslosungssystem bestand jederzeit die Möglichkeit, dass die anderen Mädchen an den unteren Brettern leichte Punkte einsammeln würden, wogegen Gina durch ihren guten Start bereits gegen stärkere Spieler kämpfen musste. Zwei Niederlagen in Folge ließen Gina den Atem der Verfolgerinnen spüren. Doch anders als Annika legte Gina nach der Pause wie ein Wirbelwind los, gewann zwei Partien hintereinander und setzte sich damit so deutlich von den anderen ab, dass es trotz der zwei Niederlagen in den letzten beiden Runden zum 2. Platz in der Mädchenwertung U12w und also zur Qualifikation für Kranenburg reichte – eine tolle Leistung!

Joris
Joris Minneken

Die beiden Jungs würden es naturgemäß schwerer haben – die starke männliche Konkurrenz um immerhin vier zu vergebende Qualifikationsplätze verhieß nichts Gutes. Mit dabei sogar zwei Spieler, die aufgrund ihrer Spielstärke bereits durch Freiplätze für die Landesmeisterschaft qualifiziert waren: Jona Bungarten und Christian Gluma. Und ausgerechnet an diesen beiden Gegnern scheiterte der Qualifikationstraum von Joris. Das zehnjährige Talent hatte einen guten Tag erwischt und spielte nach zuletzt etwas schwankenden Leistungen ein ausgesprochen solides Turnier: sehr konzentriert und fokussiert. Nach fünf Runden war Joris bei drei Unentschieden noch immer ohne Niederlage und lag mit 3,5 Punkten gleichauf mit Annika im oberen Drittel des Teilnehmerfeldes. In der sechsten Runde traf er dann auf Christian Gluma, der fast 300 DWZ-Punkte mehr auf dem Konto hat. Joris konnte die Partie völlig ausgeglichen gestalten, musste sich im Bauernendspiel mit Springer gegen Läufer dann aber doch geschlagen geben. Gut gespielt, aber leider verloren. Nach einem leichten Sieg in der siebten Runde gab Joris in der vorletzten Partie seinem Gegner in wahrscheinlich zu gewinnender Stellung ein Remis, in der Hoffnung, dadurch ein leichteres Los für die Schlussrunde zu erlangen. Doch mit Jona Bungarten, seinem Angstgegner aus U8-Tagen, schlug der Loshammer gnadenlos zu. Joris verlor die Partie und damit auch die Chance, sich zu qualifizieren. Alles gegeben, nur zwei Niederlagen gegen die stärksten Spieler des Turniers, mit 5 Punkten am Ende bester Sterkrader, aber leider mit leeren Händen.

Julian
Julian Tepper

Bleibt noch der vierte im Bunde: Julian Tepper spielte als Neuzugang bei Sterkrade-Nord sein erstes ernsthaftes Turnier, und die eigentliche Frage war, ob er die neun angesetzten Runden durchstehen könnte. Aber er machte seine Sache gut, startete mit einem Freilos ins Turnier, um danach eine ganze Serie von Niederlagen zu kassieren, verlor aber niemals die gute Laune. Natürlich unterliefen ihm noch viele Fehler, wie z.B. in der sechsten Runde, wo er sich in aussichtsreicher Stellung mit deutlichem Materialvorteil ohne Not mattsetzen ließ. Aber gerade durch manchmal auch bittere Erfahrungen, die man nur bei einem solchen Turnier machen kann, lernt man dazu. Da muss man die Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Genau das tat Julian. In der siebten Runde erkämpfte er endlich ein Remis und in der abschließenden Partie sogar einen Sieg, sodass er am Ende mit versöhnlichen 2,5 Punkten dastand – der verdiente Lohn für den Mut, ein solch schweres Turnier als Anfänger mitzuspielen.

Das Fazit aus Sterkrader Sicht fällt durchweg positiv aus. Nach Swantje Minneken in der U14w haben sich auch Annika Labuda und Gina Emmerich in der U12w für die Landesmeisterschaft qualifiziert. Für Joris Minneken hat es trotz eines guten Tuniers zwar nicht gereicht, aber vorzuwerfen hat er sich sicherlich nichts. Und Newcomer Julian Tepper hat in seinem ersten wichtigen Turnier wertvolle Erfahrungen gesammelt. Bleibt noch zu erwähnen, dass von den anderen Oberhausener und sonstigen Vereinen aus dem Schachbezirk Emscher-Lippe kein einziger Teilnehmer am Start war, was angesichts der Bedeutung des Turniers als Verbandsmeisterschaft und Qualifikation für die Landesmeisterschaft nicht zu verstehen ist.