Tag 1 in Kranenburg: Schach für Feinschmecker

Der erste Tag bei der NRW Jugendeinzelmeisterschaft in Kranenburg steht traditionsgemäß im Zeichen der spannenden Frage, was es wohl zum Mittagessen geben wird. Machen wir uns nichts vor, tatsächlich hängt von der Antwort unter Umständen der gesamte Turnierverlauf ab. Doch wir können Entwarnung geben, denn das Auftakt-Essen war nicht nur sättigend, sondern durchaus auch schmackhaft, sogar mit Eis als Nachtisch.

Keine Ausrede also für schwache Leistungen in der ersten Runde, die gleich im Anschluss ans Mittagessen angesetzt war. Doch Ausreden waren für unsere vier Schützlinge gar nicht erforderlich, da alle zum Teil sehr gute, mindestens aber ansprechende Leistungen zeigten.

Am schnellsten spielte heute Annika, die nach kaum 45 Minuten ihre Gegnerin schachmatt gesetzt hatte. Allerdings muss man sagen, dass die Gegnerin keinen nennenswerten Widerstand leistete. Diesen Umstand nutzte Annika souverän aus und siegte standesgemäß, ohne sich wirklich angestrengt zu haben.

Nordler-Nachwuchs
Gina, Annika, Joris und Swantje (v.l.)

Im gleichen Moment, als Annika ihre Partie siegreich beendete, geriet Gina auf die Verliererstraße, und das, wie man sagen muss, ohne zwingenden Grund. Zwar spielte Gina keineswegs fehlerfrei, doch ihre Gegnerin, mit einer DWZ von 1112 gar nicht schlecht bewertet, spielte selbst so unkonzentriert, das Gina zeitweise sogar mit einem Turm mehr den Gewinn in greifbarer Nähe hatte. Doch dann machte sich ihr Mangel an Turniererfahrung bemerkbar, und sie verlor nicht nur den Turm, sondern versäumte es auch, einen zunächst harmlosen Freibauern der Gegnerin aufzuhalten, sodass er schließlich stark und sogar zur Dame werden konnte. Danach war die Partie für Gina nicht mehr zu retten. Was haben wir also gelernt? Freibauern müssen unbedingt gestoppt werden!

Joris war gut aufgelegt und hatte sich vorgenommen, wie Kramnik beim vor kurzem beendeten Kandidatenturnier zu spielen. Nicht unbedingt ein schöner Gedanke für den Trainer, da Kramnik mit spektakulären Zügen zwar für Aufsehen gesorgt hatte, unterm Strich aber wenig erfolgreich gewesen ist. Aber für Joris ging es dann doch glimpflich aus. Schnell erspielte er sich eine überlegene Stellung mit einer starken Bauernphalanx, die es ihm sogar erlaubte, ein nettes Qualitätsopfer zu bringen, um die Initiative zu behalten. Die unaufhaltsam vorrückenden Bauern entschieden dann auch die Partie und bestärkten Joris darin, hier und da mal was zu opfern – schöne Grüße an Kramnik.

Am längsten spielte Swantje. Doch während sie selbst kaum Zeit verbrauchte, hatte ihre Gegnerin am Ende bloß noch elf Minuten auf der Uhr. Der Partieverlauf war jedoch recht wechselhaft. Swantje entwickelte von Beginn an druckvolles Positionsspiel, gewann früh einen Bauern und sah schnell wie die sichere Siegerin aus. Vielleicht verzichtete sie aus diesem Grund auf die Rochade, wodurch ihr König etwas verwundbar blieb, was sich später noch rächen sollte. Doch zunächst spielte das keine Rolle. Nach 26 Zügen hatte Swantje ein zwingendes Schachmatt in fünf Zügen auf dem Brett – und übersah es. Es war aber auch nicht leicht zu finden, da es bei noch vollem Brett durch einen völlig abwegigen Zug ihrer Dame nach a1, von wo aus sie unabwendbar schachmatt auf g7 drohte, eingeleitet worden wäre – ein Zug, den man gar nicht erst prüft. Danach brachte sie ihre Gegnerin durch eine Reihe schwacher Züge wieder ins Spiel, die Partie drohte – wegen des verwundbaren Königs – sogar zu kippen. Doch dann fing Swantje sich wieder, leitete in ein Endspiel mit Mehrfigur gegen einige Bauern über, räumte nach und nach die gegnerischen Bauern ab, brachte ihren eigen Bauern zur Dame durch und setzte ihre Gegnerin im 83. Zug schließlich schachmatt.

Insgesamt ein erfreulicher Auftakt des Turniers mit vielen Lichtblicken und einigen kleinen Schattierungen. Wenn es den Kindern gelingt, ihre Fehlerquote im Lauf des Turniers weiter zu reduzieren, dürfen wir noch einige spannende Runden im Kampf um gute Platzierungen erwarten.