Tag 2 in Kranenburg: Licht und Schatten

RUNDE 2
Während die gestrige Auftaktrunde vor allem zum Warmspielen diente, ging es heute schon etwas härter zur Sache. Annika und Gina tauschten für die 2. Runde ihre Gegnerinnen, was zumindest auf dem Papier Gina eine realistische Chance auf ihren ersten Punkt einräumte. Swantje bekam es in der U14w gleich mit der drittstärksten Spielerin zu tun, und Joris sah sich in der Offenen Meisterschaft einem richtig dicken DWZ-Brocken gegenüber.

Annika machte es mal wieder nicht sehr spannend. Im Eiltempo lehrte sie nicht nur ihre völlig überforderte Gegnerin, sondern zugleich auch ihre Hauptkonkurrentinnen an den Nebenbrettern das Fürchten. Ein psychologisch wichtiger Sieg ohne Zeitverbrauch auf der Uhr.

Am anderen Ende des Geländes baute sich Joris mit Schwarz sehr gut gegen das Londoner System auf (da lag der Trainer mal richtig mit seinem Eröffnungstipp), erreichte eine völlig ausgeglichene Stellung und fing dann leider an, positionelle Schwächen anzuhäufen. Diese ermöglichtem dem Gegner eine ganze Reihe taktischer Schläge, die zu deutlichem Materialverlust und schließlich zur Niederlage für Joris führten.

Gina machte es sich selbst schwer. Früh schon spielte sie Quatsch, verlor im 6. Zug die erste Figur und, im 18. Zug einen Turm und fing danach an zu kämpfen. Das Problem ist, dass es dann meist zu spät ist, um noch eine Wende herbeizuführen. Manchmal gibt es aber Ressourcen. So hätte Gina im 25. Zug ein Dauerschach und damit Remis erzwingen können, doch dazu muss man natürlich das Dauerschach-Motiv kennen. Danach nutzte die Gegnerin einigermaßen konsequent ihren Materialvorteil aus und führte die Partie trotz der verzweifelten Abwehrversuche Ginas zu einem ungefährdeten Sieg.

Swantje hing nach mehr oder weniger schlafloser Nacht ziemlich übermüdet am Brett. In Zug 14 wurde sie dann vom Sekundenschlaf übermannt: Sie stellte ihre Dame durch einen unsinnigen Bauernvorstoß in einen Abzug hinein, der ihre Stellung innerhalb weniger Züge komplett zerstörte, Material verlor und sogar zum Matt führte. In den zehn Minuten, die nach 35 Zügen auf ihrer Uhr fehlten, kann sie nicht ernsthaft nachgedacht haben, ist aber auch kein Wunder: Bis zum 14. Zug gab es nichts nachzudenken, und danach war es nicht mehr nötig. So einfach funktioniert Schach im Halbschlaf.

RUNDE 3
Die 3. Runde brachte dann einen kleinen Dämpfer. Gegen eine schwächere eingeschätzte Gegnerin unterlief Annika in einer taktisch etwas verwickelten Stellung ein Rechenfehler. Statt mit deutlichem Vorteil aus der Situation herauszukommen, geriet sie in deutlichen Nachteil und konnte schließlich den Partieverlust nicht mehr abwenden. Immerhin trug sie es mit Fassung: Fehler passieren eben und sind beim Schach leider oft spielentscheidend. Trotz dieser unglücklichen Niederlage liegt Annika nach drei Runden auf dem 4. Platz in der U12w.

Für Gina wird es nach der dritten Niederlage in Folge schon schwieriger, Haltung zu bewahren. Auch in dieser Partie verlor sie schon früh Material und konnte den Rückstand einfach nicht mehr aufholen. Doch die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Joris musste gegen ein Mädchen spielen. Das sollte nichts bedeuten, tut es aber seltsamerweise doch, denn auffällig viele seiner schwächeren Spiele erfolgten gegen Mädchen, so als hätte er Hemmungen, diese zu besiegen. Wenigstens reichte es heute zum Remis gegen eine nominell schwächere Gegnerin in einer festgefahrenen Stellung. Man muss es positiv sehen: Kraft gespart für die kommenden Herausforderungen.

Swantje wollte ihre durchaus schmerzhafte Niederlage vom Morgen unbedingt wiedergutmachen. So spielte sie dann auch. Sie ließ sich durch die etwas merkwürdige Eröffnung ihrer Gegnerin nicht beirren, gewann bald eine Figur und gelangte schließlich in ein Bauernendspiel mit ebendieser Mehrfigur, das sie souverän bis zum Schachmatt ausspielte. Platz 4 in der Tabelle der U14w nach drei Runden.

Nach diesem anstrengenden und nervenaufreibenden Tag haben die Kids erst einmal ein bisschen Erholung vom Schach verdient. Es winkt ein ruhiger Kinoabend und hoffentlich eine gesunde Portion Schlaf für alle, damit sie morgen wieder Höchstleistungen abrufen können.