Ein kleiner Zwischensprint

Der gegnerische Mannschaftsführer hatte uns vor Straßensperrungen wegen des Gelsenkirchener Marathons gewarnt – das hielt uns nicht davon ab, superpünktlich vor Haus Nolte aufzukreuzen, guten Mutes, dass der heutige Mannschaftskampf gegen Horst-Emscher 4 kein Marathon werden sollte.

Und so gaben wir uns Mühe, es nicht in die Länge zu ziehen. Unsere jung gebliebene Seniorin Ursula ließ ihrer Gegnerin an Brett 8 überhaupt keine Chance. Schon früh hatte Ursel ein sattes Materialplus, mit dem sie ihre Partie sicher und schnell zum Sieg führte.

Am Brett nebenan wiederum lief es für Andreas in die entgegengesetzte Richtung. Er versäumte es, seinem Läufer ein Rückzugsfeld zu verschaffen, der sich folgerichtig im Kreuzfeuer gegnerischer Bauern wiederfand und verloren ging. Dieser Rückstand war einfach nicht mehr aufzuholen, also ging dieser Punkt an die Horster.

An Brett 6 war unser beherzt spielender Peter in ein zwielichtiges Turmendspiel geraten, wo man nie genau weiß: gewinnt man es jetzt oder verliert man es womöglich noch – um nichts anbrennen zu lassen, nahm Peter das Remisgebot seines Gegners an.

So weit so gut. Erhard an Brett 4 hatte schon vor dem Kampf getönt, dass er den vollen Punkt holt – uns so spielte er dann auch: frech wie Graf Rotz mischte er mit einem wilden Springer die gegnerische Stellung auf, ließ dazu seine Türme tanzen und eroberte zunächst ein paar Bauern, dann eine Figur, bis der Gegner schließlich ein Einsehen hatte und sich ergab. Nach anderthalb Stunden Spielzeit lagen wir 2,5:1,5 in Führung – die unteren vier Bretter hatten ihr Soll gewissermaßen übererfüllt.

An den oberen vier Brettern sah zu dem Zeitpunkt noch alles eher remislich aus. Bei Joris an Brett 2 wurde eine Figur nach der anderen getauscht, bis man in einem Endspiel landete, bei dem keiner der Kontrahenten Lust hatte, falsch zu zucken. Also auch hier ein Remis, aber gut, es diente ja der Mannschaft.

Dann kam der Paukenschlag an Brett 1. Das ging so schnell, dass ich es gar nicht richtig mitgekriegt habe, aber plötzlich flanierte Dirks Dame etwas planlos in der Gegend herum, während die gegnerische Dame etwas zentraler weidete und schließlich einen herrenlosen Freibauern zur Umwandlung begleitete. Dirk suchte noch den Weg zu einem Dauerschach – fand ihn aber nicht. Der Ausgleich zum 3:3.

Geschockt kehrte ich an mein Brett zurück, wo ich meinen Gegner bisher immer ein wenig unter Druck gesetzt und zum Nachdenken gezwungen hatte. Diesmal griff ich mit einem Springer seine Dame an und hoffte insgeheim, dass er den Springer abtauschen würde, was mir zwei nette, verbundene Freibauern am Damenflügel verschafft hätte. Mein Gegner, der bis dahin wirklich aufmerksam verteidigt hatte, machte es mir leichter: er ließ einfach seine Dame stehen. Tja, was sollte ich tun? Ich nahm sie! Nur Sekunden nach dem Ausgleich die erneute Führung mit 4:3.

Uli spielte noch an Brett 4. Wie fast immer in undurchsichtiger Stellung, die am ehesten nach Remis roch – was uns ja zum Mannschaftssieg gereicht hätte. Ich bekam noch mit, dass Ulis Gegner ein Remisgebot abgelehnt haben soll. Und kurz darauf auch hier ein Paukenschlag: eine völlig missglückte Abwicklung sorgte dafür, dass der Horster Spieler seine Dame gegen einen Turm eingetauscht hätte, wonach ihm aber nicht der Sinn stand. Er gab auf und besiegelte damit die etwas unglückliche Niederlage der Gelsenkirchener.

Mit diesem erfreulichen 5:3 setzt sich die 4. Mannschaft – auch Mannschaft der Herzen genannt – zumindest schon mal im oberen Mittelfeld der Bezirksklasse fest. Wo wir in dieser engen Liga schließlich landen werden, wird man am letzten Spieltag sehen.

Auf dem Foto von links nach recht: Erhard, Ursula, Peter, Dirk, Ulrich, Joris und Andreas – und meine Wenigkeit ideal platziert hinter der Kamera.